OOP 2019

In diesem kurzem Beitrag möchte ich die Impressionen meines kurzen Besuches der diesjährigen OOP 2019 (21.01 – 25.01 2019) zusammenfassen und unter anderem kurz berichten, inwieweit der Besuch des freien Programms auch für QAs und Test Engineers interessant ist.

Infos zur Veranstaltung

Die Konferenz OOP (Object Oriented Programming) gehört zu den etabliertesten und bekanntesten Fachkonferenzen in IT Bereich im DACH Raum. Sie wird seit über 20 Jahren von Sigs-Datacom veranstaltet und richtete sich ursprünglich an die Software Architekten und Entwickler. Seit mehreren Jahren erfolgte mehr und mehr der Wandel in Richtung voll-umfangreiche IT Konferenz, die alle wesentlichen Domänen des Softwarelebenszyklus abdeckt und dedizierte Tracks für aktuell gefragte Themen wie Agilität, DevOps, Qualitätssicherung, AI, Big Data und natürlich Architektur und Software-Entwicklung ihren Besuchern anbietet.

Flexibilität

In Zusammenhang mit dieser umfangreichen Auswahl an so vielen Tracks und Sessions möchte ich eine weitere Besonderheit hervorheben: im Laufe der Jahre konnte OOP ihren Besuchern immer grössere und grössere Flexibilität bei der Auswahl und Buchung der Konferenzvorträge anbieten. Man kann nun sowohl die gesamte Konferenz (5 Tage) als auch einzelne Tage, aber auch einzelne Tracks(!) an jedem Tag buchen. Somit kann jeder bei Bedarf flexibel auswählen und nur die Vorträge besuchen, die einen interessieren ( z.B. bei limitierter Zeit oder Budget). Das ganze wird durch einen sehr hohen personellen Aufwand seitens des Veranstalters ermöglicht – am Eingang zu jedem Vortragssaal stehen die Mitarbeiter, die die Tickets kontrollieren.

Freies Programm

Durch dieses flexibele Auswählen und Besuchen einzelner Tracks gepaart mit Eingangskontrollen ermöglichte dem Veranstalter seit dem letzten Jahr (glaube ich) eine weitere sehr interessante Neuerung einzuführen, mämlich ein „Freies Programm“, bei dem einzelne Vorträge komplett kostenlos angeboten werden. Ich habe es in diesem Jahr ausprobiert und kann darüber kurz berichten.

Das Angebot des Freien Programms ist sehr überzeugend. Man bekommt die Möglichkeit der komplett kostenlosen Teilnahme an der Konferenzen an 3 Tagen. Dabei erhält man den Zutritt nicht nur zu den freien Vorträgen und Workshops, sondern darf auch an den i.d.R. sehr interessanten Keynotes partizipieren und natürlich die kommerzielle Ausstellung besuchen, wo man sich mit den Ausstellern und anderen Teilnehmern austauschen kann. Sehr lobenswert ist auch die Tatsache, dass die Teilnehmer des freien Programms ebenfalls sich der warmen Getränke, der bereitgestellten Obst und Snacks und sogar der Sushis an der Sushi-Bar bedienen können. Alles war sehr lecker 🙂

Natürlich muss man sich im klaren sein, dass nichts kostenlos ist und letzendlich die Veranstalter dieses grosszügige Angebot durch die Sponsoren finanzieren, die wiederum durch die kostenlosen Teilnahmen mehr Besucher und weitere interessante Profile sich erhoffen :-, Aber aus meiner Sicht ist das absolut fair und OK.

Veranstaltungsort

Die OOP 2019 fand auf dem grosszügigen Areal des ICM Kongresszentrums in Müchen statt. Dabei verteilte sich die Konferenz auf 3 riesigen Stockwerken, die sehr viel Freiraum auf den Stockwerken und Konferenzsaalen baten. Nur im Erdgeschoss, wo die meisten Aussteller platziert waren, ging es ein wenig enger zu. Generell ein ungewöhnlich freies Gefühl für alle diejenigen, die schon mal auf anderen gut besuchten Konferezen wie z.B. SelConf waren, wo es doch sehr sehr eng und kuschellig 🙂 zuging. Es gab auch viele bequeme Sitz/Loggen Gelegenheiten, wo man sich ausruhen konnte, Gespräche mit Kollegen führen konnte oder sogar Podiumsvorträge von oben mitverfolgen konnte, wärend man sein Handy an den wenigen Ladesäulen 🙁 aufgeladen hat. Der Nachteil dieses grosszügigen Freiraumes ist, dass man, meinen Beobachtungen zufolge, eher weniger in das Gespräch mit anderen Teilnehmern reinkommt, sondern viel mehr bidirektionale Konversationen mit den Austellern oder Vortragenden führt.

Test & Quality Track

Ich war überrascht, dass das freie Programm mindestens genau so viele kostenlose Vorträge zum Thema Qualitätssicherung angeboten hat wie das bezahlte Programm. Ich konnte aus zeitlichen Gründen leider nicht an den interessanten mehrstündigen Workshops wie Fahrräder verteilen in San Francisco. Ein Data-Science Hands-on in drei Stunden teilnehmen, aber die einzelnen Vorträge zum Thema Qualitätssicherung und Agilität habe ich besucht. Mein Resume: auch die Qualität der kostenfreien Vorträge war bis auf wenige Ausnahmen sehr gut. Man konnte viele gute Ideen und Erfahrungen der Vortragenden aus ihrem Geschäftsleben kennenlernen und reflektieren. Sei es die Frage wie man sinnvollerweise die Qualitättsicherung in der Produktion nach dem Rollout aufsetzen kann oder wie die richtig umgesetzte agile Transformation den Alltag der QAs verändern kann und dabei den Durchsatz und die Qualität der ausgelieferten Software Produkte steigern kann. Dabei waren diese guten kostenlosen Vorträge i.d.R. von den Ausstellern angeboten, die jedoch bemerkenswerterweise wenig eigene Unternehmen oder Produkte ins Spiel gebracht haben, sondern ein allgemein interessentes Thema aus Ihrem Umfeld gut ausgearbeitet und vorgestellt haben.

Aussteller

Was das Thema Aussteller angeht, war ich inital recht enttäuscht, dass die ganze hintere Reihe, die für „Test & Quality“ reserviert war, im Wesentlichen nur durch 4 Aussteller belegt war. Einen grossen Teil dieser Fläche hat dabei Accenture belegt – das kommentiere ich an dieser Stelle nicht weiter.:-, Insgesamt waren recht viele grosse Firmen und Dienstleister als Premiumaussteller mit riesigen Flächen vertreten, die meinem Eindruck nach, primär wegen dem Recruiting dort waren. Dennoch dürfte es für viele Teilnehmer interessant sein, die sich beruflich verändren möchten, diese Unternehmen besser kennenzulernen und vielleicht erste Kontakte zu knüpfen.

Keynotes

Ich konnte 2 Keynotes besuchen, die wie bereits oben erwähnt, ebenfalls für alle frei zugänglich waren. Ein Vortrag war von Erich Gamma, einem der weltweit renommiertesten Experten im Bereich der SW Entwicklung und Architekturen, einer IT Legende in der gleichen Reihe wie D. Knuth oder D. Ritchie. Während des Vortrages wurden viele sehr interessante Einblicke in die Geheimnisse der Umsetzung von Visual Studio Code vorgestellt.

OOP 2019

Doch der Höhepunkt meines Besuches der OOP 2019 war die Keynote einer mir unbekannten Startup Gründerin aus UK, die geschildert hart, wie sie initial mit nur 3 weiteren Kollegen ein revolutionäres Produkt zur Herstellung von vollwertigen 3-D Prothesen für Kinder erfolgreich aufgesetzt hat. Neben der hohen Emotionalität des Vortrages war das, sachlich gesehen, eine sehr gute und motivierende Abwechslung zu anderen Vorträgen der deutschen Speaker, die mit überwiegender Mehrheit über ihre Erfolge in Dienstleistungsprojekten berichtet haben. Das war erneut ein wunderbares Exempel darüf, dass man keine Schaaren von Mitarbeitern oder grosse Konzerne benötigt, um etwas innovatives und sinnvolles als Produkt zu etnwickeln. Ein ultra-kleines Team mit nur 4 top-motivierten Mitarbeitern können Wunder bewirken – das hat das Publikum am meisten beeindruckt und zu denken gegeben (ich darf an dieser Stelle anmerken, dass die Gründerin selber gar keine IT-lerin oder Technikerin ist). Btw, dieser Aspekt ist wiederum für zahlreiche QA Kollegen relevant, die zuletzt wegen geringen IT-Skills im Rahmen der digitalen Transformation, agilen TDD und Shift-Left Veränderungen als Mitarbeiter der zweiten Wahl betrachtet wurden. Hier muss ein Umdenken stattfinden, dass prinzipiell jeder Team-Mitglied signifikant zu Projekterfolg beitragen kann, sofern er richtig motiviert ist und im Rahmen seiner Stärken sinnvoll eingesetzt wird.

Fazit

Die Teilnahme an dem kostenfreien Programm der OOP 2019 hat mich überzeugt und ich kann es jedem empfehlen. Vielen Kollegen aus dem Testbereich, die früher gedacht haben, dass die OOP sich eher an die tech-versierten Software Entwickler richtet, können heutzutage sehr umfangreiches Angebot an kostenfreien Vorträgen vorfinden. Ich empfehle nicht nur die Teilnahme an den unmittelbaren QA Vorträgen, sondern insbesondere auch an Keynotes und anderen „benachbarten“ Themengebiete wie z.B. Agilität, DevOps und Cloud-Computing. Man kommt meistens mit vielen frischen Ideen und Anregungen nach solchen Konferenzen zurück und das ist aus meiner Sicht das wichtigste dabei.

Alexander Heimlich on Linkedin
Alexander Heimlich
Redakteur auf Testautomtisierung.org
Geschäftsführer, Schulungsleiter bei SimplyTest GmbH, Nürnberg
www.simplytest.de
Passionierter Softwareentwickler und Testautomatisierungsverfechter mit langjähriger beruflicher Erfahrung als Softwareentwickler, Test Automation Manager, Teamleiter und Projektleiter
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